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Kalender-Icon Wer da die Urheber sind – Über die Zukunft des Urheberrechts

Ort: Vienna International Press Center des ÖJC, Blutgasse 3, 1010 Wien
Montag, 13. August 2012 - 19:00 bis 22:00

Der

Österreichische Journalisten Club

lädt sehr herzlich zu einer

Diskussion zwischen Erich Moechel und Fred Turnheim

über ACTA, IPRED & CO

Wer da die Urheber sind – Über die Zukunft des Urheberrechts

am, Montag, 13. August 2012

um 19.00 Uhr

im  Vienna International Press Center des ÖJC

Blutgasse 3

1010 Wien

ein.

 

Das wohl Auffälligste an der laufenden Debatte zum Urheberrecht sind erstens die falschen Fronten, die da gezogen werden. Und zweitens, wer da ständig in wessen Namen spricht. Für die Urheber erheben – mit wenigen Ausnahmen – Rechtehändler, -makler und -verwerter ihre Stimme, weil sie angeblich im selben Boot mit den Urhebern sitzen. Das stimmt nur insofern, als die Urheber das Boot ja rudern müssen.

 

Der Frontverlauf wird dabei in den traditionellen Medien so dargestellt: Hie Urheber, nämlich Künstler, Schriftsteller, Musiker und andere Kreative, also die “Kultur” – dort eine imaginäre “Community” oder gar eine bösartige Sekte namens “Netzgemeinde”, die erstere prinzipiell nicht bezahlen wollen.

 

Wenn dann die Printverleger gegen die “Gratiskultur des Internets” wettern, so sind ausgerechnet jene am Wort, die ihre Autoren grundsätzlich nicht für Veröffentlichungen in einem zweiten Medium, nämlich im Internet bezahlen wollen.

 

Kritikern des zunehmend unhaltbaren Status Quo im Umgang mit und der Verwertung von Urheberrechten wird pauschal unterstellt, sie wollten das Urheberrecht abschaffen. Was erstens gar nicht möglich ist und deshalb zweitens niemand fordert, der auch ernstgenommen werden will.

 

Und während wir längst mitten in einem Multimediaszenario leben, gibt es in diesem Land für Texte bis zu Musikvideos gut 20 verschiedene Verwertungsgesellschaften, wobei in jedem EU-Staat für jedes Medium andere Regeln gelten. Es mangelt an “Transparenz und Effizienz”, konstatierte die EU-Kommission, die mit ihrer Besorgnis gegenüber den “Rechenschaftspflichten” der Rechteverwerter “im Allgemeinen und dem Management ihrer Finanzen im Besonderen” nicht hinter dem Berg hielt.

 

Ende Juni wurde deshalb ein Richtlinienentwurf auf den Weg durch die EU-Instanzen geschickt, der die Rechteverwertung für alle Medien harmonisieren und mit der Verpflichtung zu detaillierten Abrechnungen transparent machen soll.

 

Erinnern Sie Sich noch an die Zeit, als Sie Ihre Korrespondenz, die Urlaubsfotos, Rechnungen und die Buchhaltung allesamt auf Audiokassetten speichern mussten? Nein? So muss es aber gewesen sein, wenn man der IG Autoren glaubt, die das kühne Postulat aufstellt, “Die Festplatte ist die Leerkassette von heute” und dazu fordert, die Abgabe auf Wolkenspeicher auszudehnen. Na klar, zumal die “Cloud” ja logischerweise die Leerkassette von morgen ist.

 

Mit einem solchen Zugang, der bis heute an den prekären Lebensumständen einer großen Mehrzahl von Autoren, Künstlern aber auch immer mehr Journalisten nichts ändern konnte, wird man in Zukunft gar nichts ausrichten.

 

Was uns Journalisten betrifft, so sollte die gegenwärtige Lage der traditionellen Medien eigentlich Anlass sein, das Hauptwerk eines Kollegen aus dem 19. Jahrhundert wieder zur Hand zu nehmen. Vor allem der Abschnitt über die Rolle der Technik beim tendenziellen Fall der Profitrate [Das Kapital Bd. III] hat es in sich, auch wenn sich bei Karl Marx natürlich noch alles um Industriemechanik und nicht um Informationsverarbeitung dreht.

 

Wer Marxens Analyse des Frühkapitalismus unter dem Aspekt der Informationsarbeit des 21. Jahrhunderts ansieht, dem drängt sich eine Erkenntnis nachgerade auf. Die Lage der informationsverarbeitenden Klasse hat sich insofern strukturell verändert, weil diese Klasse erstmals in der Geschichte technisch über ihre eigenen Produktionsmittel verfügt. Die rasch wachsende Zahl von Distributionswegen im Netz könnte bereits für neue Formen der Informationsproduktion und deren Abgeltung benutzt werden, denn an funktionierenden Online-Bezahlsystemen mangelt es längst nicht mehr.

 

Dem entgegensteht zum einen noch die alleinige Ausrichtung des globalen Medienmarkts auf die Abrechnungs- und Vergütungsmodelle des 20. Jahrhunderts. Zum anderen beginnt sich die Erkenntnis, dass die Lage der informationsverarbeitenden Klasse nach jahrzehntelanger Stagnation strukturell plötzlich anders aussieht, erst langsam durchzusetzen. Die ersten haben allerdings schon ihre eigenen Produktionsmittel ergriffen und bauen ihre Webpräsenzen, Image und damit die Anzugskraft des eigenen Markenamens sukzessive aus. Der wiederum ist mit dem des Rechteinhabers identisch, der gleichzeitig auch der Urheber ist.

 

Soviel zu nicht-entfremdeter Arbeit – um noch einmal  den Kollegen zu zitieren – die zwar erwerbsmäßig noch für kaum wen bereits eine Alternative darstellt. Je weniger es an Bord der großen Mediengaleeren zu verteilen gibt, desto eher werden jene jungen Kolleginnen und Kollegen, die derzeit nur die Aussicht auf ein erstes, sehr prekäres Berufsjahrzehnt mit ungewisser Zukunft haben, ihre Skills in moderner Multimedientechnik fortschreitend autonom und für sich selbst benützen.

 

Die Anzeichen dafür sind nicht zu übersehen. Schon jetzt sind die Namensmarken zweier in Österreich prominenter Journalisten von zwei sehr unterschiedlichen Medienunternehmen auf Twitter weit stärker präsent, als es die Marken ihres jeweiligen Medienunternehmen sind. (Erich Moechel)

 

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und bitten um eine schriftliche Anmeldung bis 12. August 2012 an office@oejc.at.

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Walter Rafelsberger
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